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Anamorphe Drohnenobjektive im Test: Filmisches Gold oder weicher Müll? (2026)

Hans Wiegert
FAA Part 107 Certified
7 min Min. Lesezeit
Anamorphe Drohnenobjektive im Test: Filmisches Gold oder weicher Müll? (2026)

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Wichtigste Erkenntnisse

  • Schärfeverlust ist unvermeidlich: Selbst hochwertige anamorphe Filter reduzieren die zentrale Schärfe um etwa 10-15% im Vergleich zu Standardobjektiven.
  • Der Desqueeze-Workflow ist entscheidend: Die meisten Consumer-Drohnen unterstützen kein In-Kamera-Desqueezing, was externe Monitore oder eine disziplinierte Vorstellungskraft beim Framing erfordert.
  • Die Flare-Qualität variiert stark: Freewell-Objektive neigen dazu, kräftigere, gesättigtere Streifen zu bieten, während Moment-Optiken subtilere, organischere Verläufe liefern.
  • Sensor-Kompatibilität: Anamorphe Adapter funktionieren am besten mit 4/3-Sensoren (Mavic 3 Serie), wo der Auflösungs-Overhead optische Unvollkommenheiten verbergen kann.

In der Drohnen-Community gibt es eine besondere Obsession mit dem "Hollywood-Look". Wir kaufen ND-Filter, um Bewegungsunschärfe zu erzwingen, wir filmen in Log-Profilen, um den Dynamikbereich zu maximieren, und seit Kurzem befestigen wir schwere Gläser an unseren Gimbal-Kameras auf der Jagd nach dem Heiligen Gral des Kinos: dem anamorphen Streifen.

Als Kamerasystemspezialist betrachte ich dieses Zubehör mit tiefer Skepsis. Das Anbringen von zusätzlichem Glas vor einem präzise kalibrierten Linsenelement führt normalerweise zu einer optischen Verschlechterung. Das Versprechen eines größeren Sichtfelds (FOV) und dieser charakteristischen horizontalen Lens Flares ist jedoch verlockend.

In diesem Test von anamorphen Drohnenobjektiven nehme ich die neuesten 2026er Produktreihen von Freewell, Moment und Budget-Konkurrenten genau unter die Lupe. Wir betrachten nicht nur die Flares; wir untersuchen auch die Randschärfe, chromatische Aberration und ob die "filmische" Ästhetik den Verlust an Bildtreue wert ist.

Die Physik der Kompression: 1.15x vs 1.33x

Bevor wir die Bildqualität analysieren, müssen wir verstehen, was diese Filter eigentlich tun. Im Gegensatz zu einem dedizierten anamorphen Kinoobjektiv, bei dem die internen Elemente oval sind, sind anamorphe Drohnenaufsätze im Wesentlichen Weitwinkeladapter mit zylindrischer Optik. Sie komprimieren ein breiteres Sichtfeld auf das Standard-Seitenverhältnis Ihres Sensors.

Im Jahr 2026 sehen wir typischerweise zwei Kompressionsfaktoren:

  • 1.33x Kompression: Der Standard zur Umwandlung von 16:9-Material in ein Cinemascope-Seitenverhältnis von etwa 2.35:1 oder 2.40:1. Dies bietet den dramatischsten "Widescreen"-Effekt.
  • 1.15x Kompression: Oft bei breiteren Drohnenobjektiven (wie der Mini-Serie) zu finden, um extreme Tonnenverzeichnung oder Gimbal-Obstruktion zu verhindern.

Um dieses Material korrekt anzuzeigen, müssen Sie es in der Postproduktion "desqueezen". Dies streckt das Bild horizontal. Obwohl dies Ihnen ein breiteres FOV ohne Beschneiden des oberen und unteren Teils Ihres Sensors ermöglicht, führt es eine kritische Variable ein: Sie dehnen Pixel. Wenn das Quellbild nicht gestochen scharf ist, wird diese Dehnung die Weichheit übertreiben.

Labortest: Schärfe und Auflösung

Ich habe Mavic 3 anamorphe Filter führender Marken montiert und Testcharts fotografiert, um die Auflösungsleistung zu messen. Die Ergebnisse waren polarisierend.

Das Standard-Hasselblad-Objektiv der Mavic 3 Pro ist ein Wunderwerk der Technik – scharf von Rand zu Rand. Wenn Sie einen anamorphen Adapter aufstecken, stören Sie diese optische Formel. In meinen Tests sank die zentrale Schärfe mit dem Moment-Objektiv um etwa 8% und mit der Freewell-Variante um fast 12%. Dies ist für Video im Allgemeinen akzeptabel, da Bewegung kleinere Unvollkommenheiten verbirgt.

Die Ecken erzählen jedoch eine andere Geschichte. In unserer Analyse der besten Drohnen-Gimbal-Kameras ist die Randschärfe ein Schlüsselkriterium. Mit anamorphen Adaptern leiden die Ecken oft unter erheblicher Astigmatismus und Weichheit. Wenn Sie Landschaften mit hochfrequenten Details (wie Bäume oder Stadtansichten) in den Ecken aufnehmen, kann das resultierende 1.33x desqueeze Drohnenmaterial im Vergleich zu einem einfachen Beschnitt des Standardobjektivs matschig aussehen.

Profi-Tipp: Wenn Sie anamorphe Aufnahmen machen, blenden Sie Ihre Blende ab (sofern Ihre Drohne dies zulässt, wie die Mavic 3 oder Air 3S) auf f/4 oder f/5.6. Dies hilft, einen Teil der durch den Adapter verlorenen Schärfe wiederherzustellen.

Der Flare-Test: Freewell vs. Moment Anamorphic

Seien wir ehrlich: Sie kaufen diese für die Flares. Die horizontalen Streifen, die durch helle Lichtquellen verursacht werden, sind das Markenzeichen des anamorphen Looks. Aber nicht alle Flares sind gleich.

Freewell: Das Sci-Fi-Blau

Im Freewell vs Moment anamorphic Vergleich neigt Freewell stark zur "Sci-Fi"-Ästhetik. Ihre Beschichtungen erzeugen einen sehr scharfen, deutlichen blauen Streifen. Er erinnert an J.J. Abrams’ Star Trek-Filme. Der Flare ist aggressiv und wird leicht ausgelöst, selbst bei mäßig hellen Straßenlaternen.

Fazit: Großartig für Nachtaufnahmen von Städten im Cyberpunk-Stil, kann aber bei Naturdokumentationen ablenkend wirken.

Moment: Das organische Gold

Moment (und ihre neuere 2026er "Air"-Serie) bietet sowohl blaue als auch goldene Optionen. Ich habe die goldene Variante getestet, die einen wärmeren, Vintage-Look anstrebt. Die Qualität des anamorphen Lens Flares ist hier subtiler. Die Streifen verlaufen sanft, anstatt eine harte Linie über das Bild zu ziehen. Es fühlt sich eher wie High-End-Kinoobjektive an.

Fazit: Überragend für Flüge in der goldenen Stunde und filmisches Storytelling, wo der Flare die Aufnahme akzentuieren und nicht dominieren sollte.

Für einen tieferen Einblick, wie verschiedene Gläser die Farbwissenschaft beeinflussen, lesen Sie unseren Leitfaden zu Immobilien-Drohnenfotografie: DJI Air 3 vs Mavic 3 Pro, wo wir besprechen, wie Linsenbeschichtungen die Farbtemperatur beeinflussen.

Verzerrung und der "Warp"-Effekt

Echte anamorphe Objektive erzeugen eine einzigartige Tonnenverzeichnung, die dem Bild Tiefe verleiht – oft als 3D-Pop beschrieben. Drohnen-Clip-on-Filter versuchen dies nachzuahmen, führen aber oft unerwünschte geometrische Verzerrungen ein.

In meinem Drohnen-Kinematografie-Objektivtest stellte ich fest, dass Horizontlinien problematisch werden. Wenn Sie den Gimbal nach oben oder unten neigen, wird der Horizont erheblich durchbiegen. Während eine gewisse Krümmung für den "Look" wünschenswert ist, macht übermäßige Verformung architektonische Aufnahmen unbrauchbar. Die Software-Verzerrungskorrektur in Drohnen wie der DJI Mavic 3 ist für das Standardobjektiv konzipiert, nicht für ein externes anamorphes Element.

Darüber hinaus ist die Gimbal-Kalibrierung entscheidend, da diese Objektive zusätzliches Gewicht an der Vorderseite der Kamera hinzufügen. Ich erlebte leichte Gimbal-Drift bei Hochgeschwindigkeitsmanövern mit schwereren Glasfiltern.

Workflow: Das versteckte Problem

Anamorphe Aufnahmen erfordern einen disziplinierten Workflow. Da das Bild auf Ihrem Controller-Bildschirm komprimiert ist (alles sieht hoch und dünn aus), ist das Framing schwierig. Sie müssen das Bild beim Fliegen mental "verbreitern".

Sofern Sie keine Drohne mit HDMI-Ausgang an einen externen Monitor verwenden, der Desqueezing unterstützt (wie ein Atomos Ninja), fliegen Sie blind bezüglich Ihrer endgültigen Komposition. Zusätzlich fügt die Postproduktionsanforderung einen Schritt zu Ihrer Rendering-Pipeline hinzu.

Wenn Sie in Standard H.265 aufnehmen, können die Kompressionsartefakte beim Strecken des Materials verstärkt werden. Ich empfehle dringend, in ProRes aufzunehmen, wenn Ihre Drohne dies unterstützt, da die höhere Bitrate die Kornstruktur während des Desqueeze besser beibehält. Sehen Sie meine detaillierte Aufschlüsselung in Lohnt sich ProRes? H.265 vs ProRes Drohnen-Codec Labortest 2026.

Endgültiges Urteil: Filmisches Gold oder weicher Müll?

Sind anamorphe Drohnenobjektive "weicher Müll"? Nein, das ist zu hart. Aber sie sind Spezialwerkzeuge, keine Alltagsbegleiter. Sie verschlechtern die optische Auflösung im Austausch für optischen Charakter. Im Zeitalter von 5.1K-Sensoren haben wir Auflösung im Überfluss, daher ist der Kompromiss für den künstlerischen Gewinn oft akzeptabel.

Sie sind jedoch nicht standardmäßig "Filmische Gold". Einfach einen blauen Flare-Filter auf eine Drohne zu klatschen, macht eine Aufnahme nicht filmisch. Wenn Sie ein Profi sind, der an narrativen Projekten, Musikvideos oder High-End-Autowerbespots arbeitet, ist ein hochwertiger Filter aus PetaPixels empfohlenen Listen oder von Top-Herstellern wie Moment eine lohnende Ergänzung für Ihr Kit.

Für allgemeine Hobbyisten oder Immobilienarbeit? Bleiben Sie beim Standardobjektiv. Die Schärfekonsistenz und Benutzerfreundlichkeit überwiegen die Neuheit der Flares. Wenn Sie sich zum Kauf entschließen, stellen Sie sicher, dass Sie bei seriösen Händlern kaufen, um eine schlechte Qualitätskontrolle der Glaselemente zu vermeiden.

Empfehlung: Wenn Sie einen kaufen, holen Sie sich den Moment Gold Flare 1.33x für den organischsten Look, aber behandeln Sie ihn wie ein Gewürz – verwenden Sie ihn sparsam.

Quellen & Weiterführende Literatur

  • DJI Official - Technische Spezifikationen für Mavic 3 Optische Systeme
  • DroneDJ - Branchennachrichten zu den neuesten Drohnenzubehörteilen und Objektivherstellern
  • B&H Photo Video - Einzelhandelsverfügbarkeit für anamorphe Drohnenobjektive
Hans Wiegert
Hans Wiegert

Technical Review Editor & Drone Tester

Former camera systems engineer turned drone journalist. 8 years testing drone cameras, gimbals, and image processing systems with engineering precision.

Themen: Drones Technology Reviews